Monika Richarz, Redebeitrag 15.2.09 (Ausschnitt)

Der ungeheuren Ausplünderung der deutschen Juden kann nicht allein juristisch begegnet werden. In diesem Zusammenhang verweist gerade die Ausstellung "Raub und Restitution" mit der Dokumentation des Kulturraubes auf eine tiefere Dimension der Ausplünderung. Eine Kunstsammlung oder eine Bibliothek sind mehr als zu restituierende Objekte. Sie repräsentieren die Kultur ihrer Sammler und Besitzer - und deren Zerstörung. Die Objekte können an Erben in aller Welt zurückgegeben werden, aber durch die Vertreibung und Ermordung ihrer früheren Eigentümer bleibt ihr kultureller Kontext zerstört. Der Raub der Kulturgüter besiegelte die Vernichtung des deutschen Judentums und seiner Kultur - säkularer wie religiöser. Es geht hier ja nicht nur um jüdische Kultur, also um Ritualobjekte oder um jüdische Bibliotheken und Archive, sondern primär um deutsche Juden als Schöpfer und Sammler deutscher Kultur - weil diese auch die ihre war. Die Objekte zu restituieren, ist juristisch absolut geboten, aber das stellt die deutsch-jüdische Kultur nicht wieder her. Der eigentliche Schaden bleibt bestehen und ist materiell nicht mehr gut zu machen.

Angesichts dieser Situation empfinde ich den Zweck der Stiftung ZURÜCKGEBEN als sehr einleuchtend. Zurückgegeben werden sollen Möglichkeiten zu kultureller Entfaltung an jüdische Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen im heutigen Deutschland. Das Zurückgeben richtet sich also an eine andere Generation, die zumeist nicht einmal dem deutsch-jüdischen Kulturkreis entstammt - aber heute in Deutschland lebt. Der Stiftung geht es darum, die Arbeit der Geförderten zu unterstützen und dadurch die wachsende kulturelle Aktivität jüdischer Frauen in diesem Land anzuerkennen und zu ermutigen. Sie will also die historische Zerstörung der deutsch-jüdischen Kultur beantworten mit der aktiven Förderung neuer kultureller Möglichkeiten von jüdischen Frauen im heutigen Deutschland. Dies ist eigentlich ein naheliegender, aber vielleicht für viele revolutionärer Gedanke. Bisher jedenfalls ist es uns noch nicht geglückt, ihn in der Öffentlichkeit so populär zu machen, dass unsere kleine Stiftung zu einer großen geworden wäre.

Impressionen