Motive zurückzugeben

Ich lebe seit meiner Kindheit mit Porzellan, von dem meine Mutter immer sagte: "Das ist von Juden." Nachdem unsere Wohnung im Dezember 1941 zerstört war, hatte sie sich wohl Haushaltsgegenstände auswählen können, die Juden abgenommen worden waren. Nun sind sie mir wertvoll geworden als Erinnerung und Mahnung, doch bezahlt sind sie niemals. Wenn ich sie wenigstens symbolisch noch bezahlen kann, gebe ich sie leichter an Erben weiter.
Ilse E.

Der Gedanke, zurückzugeben, hat mich sehr berührt. Genau richtig fand ich das. Meine Mutter war in Berlin eine junge Frau, als der Krieg begann. Ich weiß nichts über eine konkrete Vorteilsnahme, aber das finde ich in diesem Zusammenhang völlig unerheblich, denn wir nachfolgenden Generationen von nichtjüdischen Deutschen haben eine Verantwortung. So möchte ich etwas zurückgeben.
Stephanie G.

Meine Eltern und Großeltern haben sich nicht direkt bei der Ausplünderung jüdischer Menschen bereichert, dennoch verdankten sie ihren bürgerlichen Wohlstand als selbständige Kaufleute auch dem NS-Regime. So war mein Vater vom Militärdienst befreit. Er war im eigenen Lebensmittelgeschäft und für die Lebensmittelversorgung bei der Stadtverwaltung tätig. Jüdische Konkurrenz gab es nicht mehr. Und mein Großvater? Als er erfuhr, dass mein Vater in der Bürgerschule neben einem jüdischen Jungen saß, hat er den Lehrer gebeten, seinen Sohn wegzusetzen. Das war im Kaiserreich. Mit seinem offenen Antisemitismus hat mein Großvater das geistige Klima mitbestimmt, das die Verbrechen an den Juden möglich gemacht hat.
Christine H.

Impressionen